Am Ende eines Feldwegs bei Ezine, an den Hängen des Çığrı-Bergs, wartet ein erstaunlicher Anblick: riesige Granitsäulen, aus dem Fels gelöst und von römischen Steinmetzen bearbeitet, liegen noch genau dort, wo sie vor fast zweitausend Jahren zurückgelassen wurden. Granit aus diesen Hügeln wurde in den ganzen Mittelmeerraum verschifft – diese Säulen aber haben den Steinbruch nie verlassen. In diesem Beitrag erzählen wir die Geschichte der antiken Säulensteinbrüche von Yahyaçavuş und geben Tipps für Ihren Besuch.
Wo liegen die antiken Säulensteinbrüche?
Die Steinbrüche liegen in der Gemarkung des Dorfes Yahyaçavuş im Bezirk Ezine der Provinz Çanakkale, an den Ausläufern des Çığrı-Bergs (Çığrı Dağı). Das Projekt Troas-Kulturrouten verzeichnet die Stelle unter dem Flurnamen Göztepesi. Das Dorf hieß früher Koçali, weshalb manche Quellen die Steinbrüche auch unter diesem Namen führen.
Die Säulen liegen rund 2 km außerhalb des Dorfes. Da die Stätte nahe der antiken Stadt Alexandria Troas liegt, lassen sich beide gut an einem Tag besuchen.
Ein Steinbruch, viele Namen
Bei Ihrer Recherche werden Sie auf verschiedene Namen stoßen. Die Einheimischen nennen die Säulen Yedi Taşlar („Sieben Steine“) oder Yedi Sütunlar („Sieben Säulen“). In der Fachliteratur heißen die Granitsteinbrüche der Gegend nach dem nahen Gebiet von Kestanbol oft Kestanbol-Steinbrüche, und das Gestein selbst ist als Troas-Granit bekannt. Das Projekt Troas-Kulturrouten stellt die Stätte als Antike Säulensteinbrüche vor. Alle diese Namen bezeichnen denselben Ort und dieselben Granitsäulen.
Riesige Säulen, nie vollendet
Die auffälligsten Stücke im Steinbruch sind sieben große, fast vollständig bearbeitete Säulen. Laut dem Projekt Troas-Kulturrouten sind sie im Durchschnitt etwa 11,5 Meter lang und haben einen Durchmesser von rund 1,40 Metern.
Messungen von Geologen der Universität Istanbul, veröffentlicht in einer wissenschaftlichen Studie, ergaben für die größte Säule eine Länge von 11,55 Metern und einen Durchmesser von 1,58 Metern. Nach derselben Studie wiegt jede Säule etwa 60 Tonnen. Rund um die Säulen liegen zahlreiche weitere unfertige Bauteile.
Die Säulen stammen aus römischer Zeit. Die Quellen geben ihr Alter mit etwa 1.600 bis 2.000 Jahren an; die Spanne erklärt sich dadurch, dass die Steinbrüche über mehrere Jahrhunderte genutzt wurden.
Wie sich der Troas-Granit im Römischen Reich verbreitete
Der graue Granit vom Çığrı-Berg war in der Antike wegen seiner Härte und Haltbarkeit begehrt. Der Archäologische Park Ostia Antica in Italien berichtet, dass dieses in der Fachwelt als granito troadense bekannte Gestein ab der Regierungszeit Hadrians (117–138 n. Chr.) abgebaut wurde und dass Yedi Taşlar und Kestanbol seine bekanntesten Abbaustellen sind. Türkische Fachstudien gehen davon aus, dass die Produktion ab dem 2. Jahrhundert n. Chr. ihren Höhepunkt erreichte und wahrscheinlich bis Anfang des 4. Jahrhunderts andauerte.
Die bearbeiteten Säulen wurden über Land zum nahen Hafen von Alexandria Troas gebracht und von dort verschifft. Forschungen zeigen, dass dieser Granit rund 40 Orte im Mittelmeerraum erreichte, darunter Rom, Ravenna, Tarragona in Spanien, Leptis Magna in Libyen und Istanbul.
Spuren dieses Handels sehen Sie bis heute: Am antiken Hafen von Alexandria Troas liegen gewaltige Granitsäulen im Meer vor der Küste. Mehr über den Hafen und die übrigen Bauten der Stadt lesen Sie in unserem Beitrag Alexandria Troas in der Türkei.
Warum blieben die Säulen liegen?
Man nimmt an, dass die Säulen für einen Auftrag vorbereitet wurden, der seinen Empfänger nie erreichte. Archäologen der Çanakkale-Onsekiz-Mart-Universität bringen ihr Zurücklassen mit wirtschaftlichen und politischen Veränderungen im Römischen Reich in Verbindung.
Für welches Bauwerk die Säulen bestimmt waren, ist unbekannt. Gerade deshalb ist der Ort einer der seltenen Plätze, an denen sich zeigt, wie große antike Bauprojekte geplant wurden – und wie sie auf halbem Weg scheitern konnten.
Wie die Römer Granit abbauten
Um große Blöcke aus dem Fels zu lösen, schlugen antike Steinbrecher entlang der geplanten Linie eine Reihe von Keillöchern und trieben Keile hinein, bis der Fels riss. Oft ist von Holzkeilen die Rede, die mit Wasser zum Quellen gebracht wurden; in römischen Steinbrüchen waren jedoch auch Eisenkeile weit verbreitet.
Der gelöste Block wurde noch im Steinbruch grob zur Säule geformt und für den Transport vorbereitet. Weil in Yahyaçavuş Stücke aus verschiedenen Stadien dieses Prozesses erhalten sind, wirkt der Ort wie ein Freilichtmuseum antiker Steinbearbeitung.
Wer das Felsenmeer im Odenwald kennt, kennt das Prinzip: Am Felsberg liegt bis heute die römische „Riesensäule“, die wegen Fehlern im Stein zurückgelassen wurde und etwa 27,5 Tonnen wiegt. Die Säulen von Yahyaçavuş sind mit rund 60 Tonnen mehr als doppelt so schwer.
Vor Ihrem Besuch
- Ausstattung: Die Steinbrüche sind weder als Museum noch als offizielle Ausgrabungsstätte eingerichtet. Es gibt keine Kasse, keine Toilette und keinen Kiosk – nehmen Sie Wasser und alles Nötige mit.
- Den Ort finden: Die Lage finden Sie auf der Website der Troas-Kulturrouten (auf Türkisch) und in der interaktiven Karte des Projekts. Wenn Sie unsicher sind, helfen Ihnen die Dorfbewohner in Yahyaçavuş gern weiter.
- Gelände: Die Säulen liegen an einem felsigen, bewachsenen Hang. Tragen Sie geschlossene, rutschfeste Schuhe.
- Schutz der Stätte: Die türkische Presse berichtete in den vergangenen Jahren über Beschädigungen einzelner Stücke. Bitte klettern Sie nicht auf die Säulen und bewegen Sie keine Steine.
- Wandern: Wer gern wandert, kann der Etappe Yahya Çavuş der Troas-Kulturrouten folgen, die an den Steinbrüchen vorbeiführt.
Unser Vorschlag für den Tag
Statt die Steinbrüche allein zu besuchen, empfehlen wir, sie in einen Tag rund um Ezine einzubinden. Beginnen Sie am Morgen in den Steinbrüchen, wo die Geschichte des Granits beginnt, und fahren Sie dann weiter nach Alexandria Troas, zum Hafen, von dem aus die Säulen verschifft wurden.
Lassen Sie den Tag bei Sonnenuntergang am Rosa See (Herzsee) ausklingen, der im alten Innenhafen der antiken Stadt entstanden ist. Wenn Sie einen weiteren Tag haben, hilft Ihnen unser Beitrag Troja besichtigen bei der Planung des bekanntesten Ziels der Region. Die Anfahrt zu unserem Hotel finden Sie auf unserer Seite Lage & Anreise.
Nach den Steinbrüchen: Ezine genießen
Nach einem Tag zu Fuß können Sie den Abend in unserem Restaurant ausklingen lassen, das täglich von 08:00 bis 23:00 Uhr geöffnet ist und traditionelle Gerichte der Nordägäis serviert.
Jeden Morgen genießen Hotelgäste ein Dorffrühstück mit dem Ezine-Käse, den unsere Familie seit 1953 herstellt. Sehen Sie sich unsere Zimmer an und buchen Sie direkt bei uns.
Säulensteinbrüche von Yahyaçavuş: Fragen und Antworten
Wie alt sind die Säulen?
Die Säulen stammen aus römischer Zeit. Die Quellen geben ihr Alter mit etwa 1.600 bis 2.000 Jahren an, da die Steinbrüche vermutlich über mehrere Jahrhunderte genutzt wurden.
Waren die Säulen für Rom bestimmt?
Für welches Bauwerk die Säulen im Steinbruch gedacht waren, ist nicht bekannt. Forschungen haben jedoch gezeigt, dass Granit aus diesen Steinbrüchen in viele Städte des Mittelmeerraums verschifft wurde, auch nach Rom.
Sind Yedi Taşlar und die Antiken Säulensteinbrüche derselbe Ort?
Ja. Yedi Taşlar („Sieben Steine“), wie die Einheimischen den Ort nennen, ist der Granitsteinbruch bei Yahyaçavuş, den das Projekt Troas-Kulturrouten als Antike Säulensteinbrüche vorstellt.
Kostet der Besuch Eintritt?
Nein. Die Steinbrüche liegen auf offenem Gelände ohne Kasse oder offiziellen Eingang. Bitte helfen Sie bei Ihrem Besuch mit, die Stätte zu schützen.